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19.07.09 Mit Ach und viel Krach – wir sind zurück!

Sonntag, 19. Juli 2009

20:30 Uhr – Schon der Start in Göttingen verspricht nicht viel Gutes. Miss Marple sträubt sich wehement gegen die Heimkehr – sie ahnt, was ihr blüht. Alle 500 m geht sie aus und startet erneut feuerspuckend mit einem lauten Knall.

Das ist für die Autobahn zu riskant. Wir fahren daher über die B3 weiter Richtung Hannover. Die Dauerknallerei verschafft uns zumindest Aufmerksamkeit. 2 x 500 ccm können wirklich verdammt laut fehlzünden – da ich hinter Frank fahre (anders macht es keinen Sinn mehr), komme ich mir vor wie ein Polizeipferd, dass mit Pistollenschüssen abgerichtet wird, damit es auf der nächsten Demo nicht in Panik gerät.

Aber es sieht schon lustig aus: Die Fehlzündungen kündigen sich optisch an, indem das Motorrad langsamer wird und sich leicht schüttelt, dann Mündungsfeuer, lauter Knall, es geht wieder weiter. In 500 m das gleiche Spiel…

Was in keinem der von uns bereisten Ländern vorkommt, ist der Motorradfahrergruß, wir müssen uns hier erst wieder an dieses Handicap gewöhnen. In einer Ortschafft kommt uns ein ‘Kollege’ entgegen und hebt freundlich seine ‘Hand zum Gruß’, was von Miss Marple mit einer besonders lauten Fehlzündung erwiedert wird – der Arme erschreckt sich dabei so sehr, dass er fast den Lenker verreist. Und ich verreiße fast den Lenker, weil mir die Lachtrännen in die Augen schießen :-)

Ähnliches wiederholt sich in all den kleinen Örtchen, die wir durchfahren: die Knallerei läßt alle, die gerade in der Nähe sind zusammenzucken!

Wenn Miss Marple geneigt ist zu fahren, gibt Frank auch ordentlich Gas, jeder Meter zählt! Da können ihn auch diese komischen neuen Blitzkastensäulen nicht aufhalten, die in den meisten Orten an der B3 jetzt stehen. Und eine davon macht auch glatt ein Foto von der Szenerie. Uns ist aber noch nicht klar, ob es wegen der Geschwindigkeit oder der Lärmbelästigung ist!

Gegen 19:45 Uhr machen wir eine letzte Pause in Arnum und beenden mit einem feierlichen Händedruck unser ‘Long Way Hellas’-Abenteuer! Ab Hemmingen fährt/knallt jeder für sich nach Hause…

Was bleibt, sind die Erinnerungen an wunderschöne und unglaublich erlebnisreiche Tage, an viele kleine und große Abenteuer. Und was bleibt, ist dieses Webtagebuch, in dem die vielen kleinen und großen Abenteuer festgehalten sind.

Wir bedanken uns hiermit ganz herzlich bei unseren vielen aktiven und passiven Lesern: Wir haben uns auf Eure Kommentare wie die kleinen Kinder gefreut und nicht selten Tränen gelacht. Ohne Euch wäre das Experiment ‘Webtagebuch’ wahrscheinlich nach ein paar Tagen eingeschlafen!

Wie angekündigt, werden wir daraus ein Fotobuch machen (dann hoffentlich ohne die vielen Tippfehler) und als PDF-Version hier zur Verfügung stellen. Wer mag, kann es auch hochglanzgedruckt bekommen.

Aber erst einmal müssen jetzt auch unsere Köpfe langsam ankommen, die verweilen nämlich gerade noch an der einen oder anderen Stelle in Griechenland ;-)

Ganz liebe Grüße

Frank & Johannes

Unser letztes Tourenfoto:
- Kurz hinter Göttingen

19.07.09 Mündungsfeuer

Sonntag, 19. Juli 2009

17:40 Uhr – Bei Regen sind wir gekommen, bei Regen fahren wir wieder! Fast ausgeschlafen verabschieden wir gegen 11:00 Uhr von den Fleischmännern und -frauen in Nürnberg.

Lächerliche 470 km liegen noch vor uns, bei Sonne und Regen quälen wir uns mit 80 kmh über die Autobahn. Ich gewöhne mich mittlerweilie an die Mündungsfeuer von Miss Marple, deren Druckwellen sogar auf der Brust des Hinterherfahrenden zu spüren sind.

Unterwegs erhalten wir eine Einladung von Karin & Claus, Claudias Eltern, zum Zwischenstop in Göttingen: Sie versprechen uns eine warme ‘Du weißt schon was’. Bis dahin wird die Fahrt zum Eiertanz. Die Herz-Rythmus-Störungen von Miss Marple sind jetzt so regelmäßig, das wir wirklich nicht wissen, ob wir es bis nach Hause schaffen.

Nach unserem Göttinger ‘Du weißt schon was’ sind wir wieder fit, auch Miss Marple sollte die letzten 120 km einfach noch schaffen. Es bleibt spannend …

Fotos:
- In Göttingen bei Claudias Eltern

13.07.09 Ach, Miss Marple…

Montag, 13. Juli 2009

20:00 Uhr – Es ist schon ein Kreuz mit den alten Damen. Statt der ganzen Anziehsachen, die sauber wieder heim kommen, hätte Frank für sein Moped lieber ‘Doppelherz’ und ‘Rheumapillen’ mitnehmen sollen.

Neben vermehrten Zündaussetzern hat sich Miss Marple nun auch noch entschlossen, auf unserer heutigen Tour einfach nicht anspringen zu wollen. Jetzt ist Frank ganz zerknirscht und möchte das alte Eisen lieber heute als morgen gegen was ‘Junges’ eintauschen (Zitat: ‘Die braucht gar nicht erst fragen was die Neue hat was sie nicht hat!’). Die Neue kriegt dann such einen anständigen Namen, so was wie ‘Lara Croft’, oder ‘Batwoman’ :-)

Aber nun zu unser heutigen Inselroute: wir starten gegen Mittag bei bestem windigen Kykladenwetter, ‘Atlantis’ ist jetzt angesagt, denn im hohen Gebirge ist es frisch geworden, wir staunen nicht schlecht, wenn uns ab und zu Rollerfahrer mit Badehose und Bikini entgegen kommen.

Unser Ziel ist Moutsuna, der alte Verladehafen für Schmirgel, im Osten von Naxos. Natürlich verfahren wir uns mal wieder ein bisschen und landen in dem auch ganz netten Küstenörtchen Lionas. Auf dem Weg dorthin finden wir noch ein paar alte Stollen der Schmirgelbergwerke.

Auf dem Rückweg entdecken wir im Gebirge die Kreuzung unserer geographischen Verwirrung und fahren trotz fortgeschrittener Zeit doch noch nach Moutsuna. Bei genialem Panorama windet sich die Straße Kurve um Kurve zur Küste herab – groß genießen ist allerdings nicht drin, die Straße ist eng, typisch griechisch und fällt an der Hangseite sehr steil ab. Ein zerschelltes Autowrack mahnt zur Vorsicht.

Wir Ihr Euch denken könnt, ist aber alles gut gegangen und wir können Euch jetzt ein paar Tourenbilder zeigen:

- In den Bergen, mit Blick auf den ZAS
- Stolleneingänge des Schmirgelbergwerkes
- Der Küstenort ‘Lionas’
- Windkraft ist in Griechenland ein alter Hut
- Verladehafen Moutsuna

08.07.09 Sie hat’s nicht anders gewollt

Mittwoch, 8. Juli 2009

Die Wege auf der Insel sind schön, aber kurz – daher fährt man sie lieber ein oder zweimal zu viel.

Sie sind auch nicht anstrengend, erst recht nicht für 2x 500 ccm!

Wir tanken besten Sprit, also auch hier bitte keine Beschwerden!

Und trotzdem geht sie aus. Es ist ihr scheinbar völlig egal, welche Konsequenzen das hat: damit ist ihr Schicksal besiegelt, noch ein Sommer wird’s nicht mehr geben (GS-Verkäufer aufgepasst!).

Aber vorerst ist es unser Problem. Frank wird sie jetzt ein bisschen zerlegen (mag sein, dass es diesesmal etwas schroffer zugeht als sonst). Vielleicht gibt’s ja irgendwo in den Eingeweiden einen Wackelkontakt.

Wenn er nichts finden kann, wird er mit einem Mann in Katapola aufsuchen, der ein noch älteres Miss Marpelchen mit Beiwagen fährt – vielleicht weiß der, wo es Hilfe gibt.

Ich schlage Frank vor, die Karre doch gleich hier zu verkaufen…

Fotos:
- Das sagenumwobene Kloster Chozoviotissa (leider ein bisschen klein, aber das iPhone arbeitet mit ‘nem Mega-Weitwinkel)
- Kurz vor der Zerlegung
- …

01.07.2009 Miss Marple

Donnerstag, 2. Juli 2009

Vor der Tour war ich etwas unsicher, ob ich meiner 26 Jahre alten und 236.000 km gefahrenen BMW R100/7 (von Claudia “Miss Marple” genannt: “alt und faltig aber immer noch sehr flink”) solche Strapazen zumuten kann. Ich habe vor dem Urlaub noch etwas Geld in die Hand genommen und neben der neuen Bereifung (ein absolutes Muß für griechische Straßen!) auch neue Bremsen, ein neues Lenkkopflager, eine Ventilspieleinstellung und eine Vergasersynchronisation spendiert. Aber die alte Dame hatte mich bis jetzt nicht im Stich gelassen und so bin ich recht zuversichtlich losgefahren. Heute, ca. 1.500 km weiter, machte ich mit Johannes bei einem Kaffee Pause und wir überlegten die Vorzüge einer neueren BMW. Als wir die letzten 200 km vor Athen mit 120 km/h auf der Autobahn langfuhren ging plötzlich mein Motorrad “einfach aus”. Hinter mir war ein griechischer LKW, der auf sich aufmerksam machte, rechts von mir war der Beschleunigungsstreifen einer Einfahrt. Ich wurde immer langsamer und überlegte schon, ob ich es bis auf den Standstreifen hinter der Beschleunigungsspur schaffen würde. Als mein Motorrad nur noch ca. 30 km/h schnell war, sprang es wieder an. Danach fuhr ich noch ein paar km weiter, als es in einer Baustelle nicht mehr wollte. Gleiche Kulisse (LKW…), nur dass der Standstreifen fehlte. Ich überlegte mir schon, wie ich zwischen den Pilonen der Baustelle und dem Gegenverkehr “sanft” halten könnte, als mein Motorrad plötzlich wieder ansprang. Schweissgebadet setzte ich bei der nächsten Rastmöglichkeit den Blinker und wir machten erst Mal eine Pause. Ich rief den Zweiradmechanikermeister Michael Köhn an und schilderte ihm die Symptome. Er tippte auf “Zündspule oder Zündgeber”. “Das ist eine Krankheit bei diesen Modellen, bei Überhitzung schalten die sich ab.” Wir beschlossen, mein Motorrad nicht mehr weiter zu überfordern und fuhren gemächlich weiter zu unserem jetzigen Quartier “Hotel Melissa”, in der Nähe von Athen.