Artikel-Schlagworte: „Epilog“

Epilog

Montag, 20. Juli 2009

1986, gegen 19:00 Uhr – Die Ankunft in Santorini bei Abendsonne ist atemberaubend. Die Fähre zwängt sich durch das Loch in der Kraterwand, hinein in die vom Meer geflutete Kaldera des größten und gefährlichsten Vulkans Europas. Vom kleinen Hafen, der die Fähre wie ein Magnet anzieht, führt eine weiße Zickzacklinie zum mehreren hundert Meter hohen Kraterrand: die Straße in den den Hauptort Thira, der strahlend weiß den Abschluss bildet.

Viel Zeit zum Staunen bleibt uns nicht. Einer Sturmtruppe gleich sammelt sich die große Schar der ‘Ruckis’, so die damalige Bezeichnung für Rucksack-Touristen, im stickigen Bauch der Fähre zur Inseleroberung. Das alte Schiff schüttelt sich und ächzt beim Anlegen. Die heruntergelassene Heckklappe gibt den Blick frei auf einen noch älteren Bus mit Dachgepäckträger: Erfahrene Santorinireisende informieren die Neulinge, dass dieser die einzige Möglichkeit sein wird, heute noch vom Hafen wegzukommen.

Unruhe macht sich breit, der Bus ist für die Masse der ‘Ruckis’ viel zu klein! Gänzlich unberührt davon sind zwei Reisende aus München: Während die ‘Sturmtruppe’ den Bus stürmt, rollen sie auf zwei satt blubbernden Boxer-Enduros aus dem Bauch der Fähre.

Eingequetscht im abfahrenden Bus sehe ich die beiden im Hafencafenion sitzen, wo sie in aller Ruhe die Inselkarte studieren. Mit jeder Kehre, die sich der Bus mühsam nach oben quält, wird dieses Bild kleiner. Mit jeder Kehre wächst in mir der Traum, irgendwann einmal mit genau so einem Motorrad selber über die Inseln zu fahren.

Es sollten 23 Jahre vergehen…