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07.07.10 Qué alegría – welche Freude

Mittwoch, 7. Juli 2010

22:30 Uhr – Welche Freude, Spanien hat das Semifinale gegen Deutschland gewonnen. Als aufgeklärte Europäer sehen wir uns gleichsam als Gewinner und sind froh, dass wir unsere Motorräder heute nacht unbeaufsichtigt lassen können und im weiteren Verlauf unserer Reise jetzt bestimmt ganz tolle Zimmer und super Essen bekommen werden!

Aber mal ganz ehrlich: Wer hat da eigentlich in den deutschen Trikots gespielt – der 1. FC Stern Misburg? Wir sind ja beide keine Fußballkenner, aber das Gehampel war doch peinlich, oder?

Und jetzt freuen sich die Leute hier auch noch so ungeniert, absolut keine Rücksichtnahme auf unsere Gefühle! Also nicht, dass uns das was ausmachen würde, dazu sind wir viel zu abgeklärt, aber ich hätte jetzt schon erwartet, dass uns unsere Nachbarn auf einen Trost-Drink einladen, man sieht doch, dass wir Deutsche sind.

Zum Glück sind wir Motorradfahrer und keine Fußballfreaks, aber damals in Griechenland, bei der vorletzten WM, wo die Deutschen so ganz jämmerlich ausgestiegen sind, da haben uns die Griechen gleich ganz mitfühlend zum Ouzo eingeladen – die wissen eben was sich gehört!

Aber was soll’s, wir sind abgeklärt, planen die morgige Route – Profis eben! Und außerdem fahren wir die besten Motorräder der Welt – und die sind aus Deutschland – und nicht so’n Schrott, mit dem die Spanier rumrollern, das muss jetzt mal gesagt werden!

Aber wir sind total locker, trinken jetzt spanischen Brandy (der bei weitem nicht an den griechischen Metaxa rankommt, ätsch) und freuen uns auf morgen!

Also bleibt so locker wie wir…

Johannes

07.07.10 Datenroaming, Asphalt und andere Gedanken

Mittwoch, 7. Juli 2010

15:00 Uhr – Im Internetcafé. Hier kann ich mal in Ruhe online sein, ohne in die Kostenfalle des Datenroamings zu stapfen.

Datenroaming ist der fachchinesische Ausdruck für den Austausch von Datenpacketen, wie er beim Surfen im Internet, beim Abrufen und Senden von eMails und eben beim Schreiben der Beiträge (Posts) in diesem Tourenreisebuch (Weblog) anfällt. Wenn man das im Ausland über die örtlichen Funknetzte (UMTS, Edge) macht, wird für die Menge der Daten eine saftige Gebühr fällig. Lange Rede – seit dem 01.07.10 sind die Netzbetreiber verpflichtet, die im Ausland befindlichen Kunden über die angefallenen Roaming-Gebühren zu informieren und das hat die Telekom dankenswerter Weise auch getan! Oh lala! Ab jetzt wird nur noch gepostet, gemailt und gesurft, wenn ein WLAN in der Nähe ist, z. B. in einen Internetcafé! Das kostet dann ein Getränk und mehr nicht!

Asphalt: Der Straßenbelag hat’s teilweise echt in sich! Während auf den Land- und Schnellstraßen die Straßendecken guten Grip haben, können einen in den Orten spiegelglatte Flächen in Angst und Schrecken versetzen: du fährst auf einen Kreisel zu (ganz Spanien ist total verkreiselt!), bremst und plötzlich – keine Bremswirkung mehr! Der Asphalt ist so glatt, dass das ABS die Bremse völlig freigibt und du einfach so in den Kreisverkehr reinfährst. Und das bei langsamer und vorsichtiger Fahrweise (nicht das einer denkt ‘typisch Johannes – rettet Eure Koffer’, nene, Frank ist das auch passiert). Und du kannst es dem Asphalt einfach nicht ansehen, ob er Grip hat oder spiegelglatt ist!

Seltsam: Vor unserer Griechenlandtour sind wir von allen Seiten vor glatten Straßen gewarnt worden und haben keine Probleme damit gehabt. In der Vorbereitung zur BTTR-Tour habe ich nichts dergleichen gelesen oder gehört.

Die Spanier und die Sprachen: Es ist schon super, dass wir hier ein Fleckchen gefunden haben, bei dem wir nur selten auf ausländische Touris stoßen und daher ausschließlich spanische Stimmen zu hören sind. Dass hier aber auch so gut wie niemand eine andere Sprache beherrscht, kann den Einkauf einer Briefmarke zum unüberwindlichen Hinderniss werden lassen (zumindest wenn ich auf Franks Bubblefish-Service verzichten muss). Klar, ich kann schon auf spanisch fragen, wo es Briefmarken gibt, ich kann nur nichts mit der Antwort anfangen: Die freundlich gemeinten schnellen Beschreibungen mit andalusischem Dialekt überfordern mich komplett. Ich werde die wenigen Postkarten nach meiner Rückkehr wohl persönlich abgeben müssen…

So, jetzt reicht’s, oder?

Johannes

07.07.10 Die Ruhe vor dem Sturm

Mittwoch, 7. Juli 2010

12:52 Uhr – Noch ist alles ruhig, obwohl der Wind wieder heftig stürmt und es heute morgen kräftig gewittert hat. Aber das WM-Spiel Deutschland-Spanien steht noch an und im spanischen Fernsehen wird bereits mit Parolen wie ‘Adios Alemania’ der eigene WM-Sieg gefeiert.

Aber wir sind auf ein anderes Ergebnis vorbereitet und werden morgen bei Sonnenaufgang die Flucht in Richtung Sierra Nevada antreten. Dort erwartet uns der zweithöchste Berg Spaniens und die Stadt Granada mit der letzten arabischen Bastion ‘Al Hambra’.

Heute werden wir also – wie gestern auch – den Tag noch einmal ruhig angehen und Sonne, Strand und Bücher genießen…

Johannes

04.07.10 Im Internetcafé

Sonntag, 4. Juli 2010

20:58 – Ah, endlich wieder Datenschubsen bis der Akku leer ist – wir sind im Internetcafé…

Johannes

04.07.10 Wie es beliebt

Sonntag, 4. Juli 2010

18:00 Uhr – Der Sonntag beginnt sonnig und windig und mein Motorrad schaut mich vorwurfsvoll an: Wozu hast mich mitgenommen, zum rumstehen oder zum fahren? Ich habe verstanden!

Während Frank heute lieber sein persönliches Leder über die Farbe rot zur Bräunung anregen will, suche ich mir ein Tagesziel im Norden aus: Arcos de la Frontera. Die Stadt liegt auf der Route der weißen Orte und ist auf einer Klippe erbaut.

Die Fahrt dorthin geht über eine weite Ebene mit Sonnenblumenfeldern. Wind ist dort nicht mehr vorhanden und schnell spüre ich wieder die Temperaturen von über 40 Grad.

Und dann taucht sie plötzlich vor mir auf: Die Stadt mit den weißen Häuser und der mittelalterliche Burganlage leuchten auf der gigantischen roten Sandsteinklippe!

Jeder denkt das eine, doch dafür ist’s zu heiß: bei den Temperaturen schenke ich mir die Stadt- und Burgbesichtigung, das schafft man nur, wenn man aus dem klimatisierten Auto steigt!

Um nicht die gleiche Strecke wieder zurück zu fahren, wähle ich eine westliche Route über die Stadt Ubrice zurück. Was auf der Karte eine Landstraße ist, entpuppt sich als alpine Gebirgstour auf über 1.000 m. Die kleine Straße windet sich mit engen Kurven nach oben und über den Kamm. An Hinweisschilder sehe ich, dass dies der Nationalpark Sierra de Grazalema ist. Einsam geht es hier zu, gerade mal zwei Wanderer begegnen mir auf der Strecke. Und zum Glück auch keine Bären, was mich in der Abgeschiedenheit nicht wundern würde.

Die Straße ist übersät mit breiten Bitumenstreifen, die den rissigen Asphalt glätten sollen. Und das tun sie tatsächlich: Selbst auf gerader Strecke rutschen Vorder- und Hinterreifen immer wieder weg – nicht schlimm, aber ungewohnt. In den Kurven ist das schon ein bisschen fieser.

Rechtskurve – Linkskurve – Rechtskurve – Linkskurve – ein Traum! Und langsam auch ein kleiner Albtraum: ich hätte mal vorher tanken sollen! Im Nationalpark gibt es keine Tankstellen und bis nach Conil wird’s eng.

Im Venta Nueva de Galiz, einem ebenfalls schneeweißen Bergort am südlichen Rand des Parks gibt es Sprit – puh, man kann auch ohne Hitze schwitzen!

Nach 255 km und fünf Stunden Fahrt bin ich zurück in Conil, wo es nach wie vor sehr windig ist.

Und auch Frank hat es geschafft: Sein Rücken hat die vielversprechende Übergangsfarbe Rot angenommen – die Bräunung kommt jetzt wie von selbst…

Johannes

PS: Es ist fasst unmöglich unterwegs vernünftige Fotos zu machen, da die Straßen keinen Seitenbereich zum Anhalten bieten und häufig auch mit einer direkten tiefen Abrisskante für den Wasserlauf bestückt sind. Für ein Foto heißt es oft: Rückwärtigen Verkehr beobachten, iPhone rausfingern, knipsen, alles wieder verstauen und weiter.

03.07.10 Zur Feier des Tages

Samstag, 3. Juli 2010

22:58 Uhr – Nun haben wir den Salat: Deutschland spielt gegen Spanien!

Schon das heutige Public Viewing war nicht ganz ohne: Eingekeilt zwischen lauter Argentinien-Fans braucht man schon Mut, sich gleich vier Mal zu freuen!

Zur Feier des Tages hat Frank sein Motorrad geputzt und anschließend haben wir für unser ‘Private Tapas’ eingekauft. Und jetzt breche ich an dieser Stelle mal unser eigenes Tabu und bringe ein paar Bilder der Köstlichkeiten:

Es gibt heute
- Champignoncremesuppe nur für Frank
- Ensalada Mista con ciboles (igitt)
- Ensalada Mista sin ciboles (lecker)
- Pane
- Gambas con Aioli

Dass Frank der Verzehr von Tieren, die noch Augen haben unangenehm ist, belegt er durch ein Selbstbildnis…

Johannes

PS: Der hübsche Sonnenuntergang trügt, es stürmt und am Himmel braut sich ganz schön was zusammen.

03.07.10 Wir sind umgezogen

Samstag, 3. Juli 2010

12:08 Uhr – Wir haben ein neues Domizil! Unsere Zeit auf dem Campingplatz war ja begrenzt und so sind wir auf ein nettes Plätzchen direkt am Strand gestoßen.

Und eigentlich sind wir ganz froh. Der Campingplatz war eine Brutstätte für Mücken. Eingesperrt in unseren heißen Bungalow waren wir zur Futterstelle unsichtbarer Blutsauger degradiert worden. Mit mehr als zehn Neustichen pro Nacht und durch Juckattacken verursachtes Wachkoma fühlt man sich am nächsten Morgen ziemlich gerädert.

Das wird sich jetzt hoffentlich ändern! Das Wetter hat sich allerdings auch geändert: Es ist sehr windig geworden und eine dichte Wolkendecke ziert den Himmel…

Johannes

02.07.10 Conil

Freitag, 2. Juli 2010

17:21 Uhr – Endlich ein WLAN- Café! Nach einer Fußstunde durch den brütend heißen Ort haben wir endlich ein Café mit Internetzugang gefunden. und da die auch gleich wieder schließen, nur schnell noch ein paar Fotos. Die Geschichten von spanischen Mücken und dem Versuch mal auszuschlafen vielleicht später…

Johannes