18:00 Uhr – Der Sonntag beginnt sonnig und windig und mein Motorrad schaut mich vorwurfsvoll an: Wozu hast mich mitgenommen, zum rumstehen oder zum fahren? Ich habe verstanden!
Während Frank heute lieber sein persönliches Leder über die Farbe rot zur Bräunung anregen will, suche ich mir ein Tagesziel im Norden aus: Arcos de la Frontera. Die Stadt liegt auf der Route der weißen Orte und ist auf einer Klippe erbaut.
Die Fahrt dorthin geht über eine weite Ebene mit Sonnenblumenfeldern. Wind ist dort nicht mehr vorhanden und schnell spüre ich wieder die Temperaturen von über 40 Grad.
Und dann taucht sie plötzlich vor mir auf: Die Stadt mit den weißen Häuser und der mittelalterliche Burganlage leuchten auf der gigantischen roten Sandsteinklippe!
Jeder denkt das eine, doch dafür ist’s zu heiß: bei den Temperaturen schenke ich mir die Stadt- und Burgbesichtigung, das schafft man nur, wenn man aus dem klimatisierten Auto steigt!
Um nicht die gleiche Strecke wieder zurück zu fahren, wähle ich eine westliche Route über die Stadt Ubrice zurück. Was auf der Karte eine Landstraße ist, entpuppt sich als alpine Gebirgstour auf über 1.000 m. Die kleine Straße windet sich mit engen Kurven nach oben und über den Kamm. An Hinweisschilder sehe ich, dass dies der Nationalpark Sierra de Grazalema ist. Einsam geht es hier zu, gerade mal zwei Wanderer begegnen mir auf der Strecke. Und zum Glück auch keine Bären, was mich in der Abgeschiedenheit nicht wundern würde.
Die Straße ist übersät mit breiten Bitumenstreifen, die den rissigen Asphalt glätten sollen. Und das tun sie tatsächlich: Selbst auf gerader Strecke rutschen Vorder- und Hinterreifen immer wieder weg – nicht schlimm, aber ungewohnt. In den Kurven ist das schon ein bisschen fieser.
Rechtskurve – Linkskurve – Rechtskurve – Linkskurve – ein Traum! Und langsam auch ein kleiner Albtraum: ich hätte mal vorher tanken sollen! Im Nationalpark gibt es keine Tankstellen und bis nach Conil wird’s eng.
Im Venta Nueva de Galiz, einem ebenfalls schneeweißen Bergort am südlichen Rand des Parks gibt es Sprit – puh, man kann auch ohne Hitze schwitzen!
Nach 255 km und fünf Stunden Fahrt bin ich zurück in Conil, wo es nach wie vor sehr windig ist.
Und auch Frank hat es geschafft: Sein Rücken hat die vielversprechende Übergangsfarbe Rot angenommen – die Bräunung kommt jetzt wie von selbst…
Johannes
PS: Es ist fasst unmöglich unterwegs vernünftige Fotos zu machen, da die Straßen keinen Seitenbereich zum Anhalten bieten und häufig auch mit einer direkten tiefen Abrisskante für den Wasserlauf bestückt sind. Für ein Foto heißt es oft: Rückwärtigen Verkehr beobachten, iPhone rausfingern, knipsen, alles wieder verstauen und weiter.




