Ohne Zeitbezug – Im Aufzug werde ich von einem Deutschen angesprochen: ‘Seid Ihr die ganze Strecke von Hannover aus mit dem Motorrad hierher gefahren?’ ‘Ja, natürlich’ antworte ich.
‘Aber das muss doch furchtbar anstrengend sein!’ ‘Na ja, das Fahren ist doch das Ziel der Reise, weniger der Ort, das macht eben Spaß.’ — ‘Hmm…’
Und dann beginnt auch schon der Spaß: Du setzt Dich auf Dein Motorrad, drehst den Zündschlüssel, startest den Motor und fühlst eine Kraft, die schier übermenschlich ist. Du gibst Gas und wirst federleicht davon getragen. Die Füße sicher auf den Fußrasten, Knie leicht an den Tank gedrückt – nur vier Kontaktpunkte reichen dem Gehirn um Dein Gefährt als rollenden Beinersatz nahtlos anzuschließen und die Kontrolle zu übernehmen. Du rauscht vorbei, an fremden Landschaften, mit fremden Gerüchen. Der Wind streicht über Dein Gesicht und Dein Körper erlebt die Welt auf einzigartige Weise. Du freust Dich auf jede Kurve und das Unmögliche wird möglich: Du überwindest Deine eigene physische Beschränktheit. Körpereigene Drogen werden ausgeschüttet, ein Rausch aus Eindrücken und Erlebnissen. Stunde um Stunde, immer wieder neu. Du willst nicht, dass es jemals endet. Ja, das macht süchtig und nur der Süchtige versteht das.
Und selbst wenn Du irgendwann angekommen bist, absteigst, erschöpft und manchmal auch mit protestierenden Körperteilen, macht es Dich glücklich zu wissen: Schon bald kannst Du es wieder erleben…
Johannes
